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KI-Briefing.de - Die 100. Ausgabe

KI-Briefing.de
Die Jubiläums-Ausgabe: Sieben Expert:innen zur Zukunft der KI

Das KI-Briefing.de ist der wöchentliche Newsletter zu Künstlicher Intelligenz und Digitalisierung. Jeden Dienstag zusammengestellt von FutureStory-Gründer Nikolaus Röttger und Steve Haak.
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Willkommen zum 100. KI-Briefing.
Wir hoffen, Sie sind gut in die Woche gestartet und haben nun einen kurzen Augenblick Zeit die neue Ausgabe des KI-Briefings zu lesen. Es ist unser 100. Newsletter, den wir verschicken, ein kleines Jubiläum also für uns. Darum möchten wir uns an dieser Stelle bei Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, für die Treue bedanken.
Wir konnten für diese Jubiläumsausgabe Expertinnen und Experten gewinnen, die ihre Sicht auf KI mit uns teilen.
Wolfgang Wahlster hat für uns einen Text geschrieben; der Gründungsdirektor des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz sieht großes Potenzial in industrieller KI. Investor Frank Thelen ist dabei, genauso wie Julia Gundlach, die sich bei der Bertelsmann Stiftung mit der Ethik von Algorithmen beschäftigt. Zudem gehören zu den Impulsgeberinnen und Impulsgebern: Peter Liggesmeyer, Leiter des Fraunhofer IESE in Kaiserslautern; Anje Hickey, Senior Director Solution Business Microsoft Deutschland; Sebastian Bluhm von Plan D; Sebastian Möller, Leiter des Forschungsbereichs Sprachtechnologie am DFKI.
Zudem haben uns Zuschriften unserer Leserinnen und Leser erreicht. Wir hatten Sie vergangene Woche eingeladen, Ihre Sicht auf KI mit uns zu teilen. Wenn wir die Zuschriften hier und heute aufnehmen – so war unser Gefühl – sprengt es die Länge des Newsletters. Darum haben wir uns entschieden, Ihre Zuschriften immer wieder in den nächsten Ausgaben zu veröffentlichen. Wir freuen uns daher sehr, wenn Sie Ihren Blick auf KI mit uns teilen wollen. Schicken Sie uns eine Mail an hallo @ ki-briefing.de.
Wir freuen uns auf die nächsten hundert Ausgaben!
Herzliche Grüße, Ihr KI-Briefing-Team.
Meinungen zum Thema KI
Lesen Sie hier die Meinungen von sieben Expertinnen und Experten, von A wie Anje Hickey bis W wie Wolfgang Wahlster.
Anje Hickey, Senior Director Solution Business Microsoft Deutschland (Bild: Microsoft)
Anje Hickey, Senior Director Solution Business Microsoft Deutschland (Bild: Microsoft)
„Künstliche Intelligenz kann unseren Alltag und unsere Arbeitswelt verbessern. Das kann aber nur wirklich funktionieren, wenn wir verantwortungsvoll mit der Entwicklung und dem Einsatz von KI umgehen. Wenn wir darauf achten, dass möglichst diverse Teams die Technologie entwickeln und nicht nur eine sehr homogene Gruppe. Deshalb setzen wir uns bei Microsoft bereits seit mehreren Jahren für verantwortungsvolle KI ein.
Damit Deutschland und Europa erfolgreich bleiben, sollten wir bei KI weiterhin unsere Werte und den Menschen in den Mittelpunkt stellen. Microsoft-Präsident Brad Smith hat das einmal so formuliert: „Wir sollten nicht überlegen, was Computer tun könnten, sondern was sie tun sollten“.
Ich glaube, dass KI unser Leben so stark verändern wird wie kaum eine andere Technologie und möchte gar keinen Bereich besonders hervorheben. Auch bei Microsoft verfolgen wir einen eher universellen KI-Ansatz, der jedem Menschen und jeder Organisation weltweit helfen soll, mehr zu erreichen. Persönlich finde ich es enorm spannend, wenn KI dazu eingesetzt wird, große Herausforderungen unserer Zeit meistern, beispielsweise die Klimakrise.
Und weil ich immer mehr Anwendungsbeispiele entdecke und mir vorstellen kann, dass andere Menschen das genauso spannend finden wie ich, „besuche“ gerade im Rahmen einer digitalen Weltreise spannende Anwendungsbeispiele von Microsoft KI – überall auf der Welt, in ganz verschiedenen Bereichen.“
Frank Thelen, Tech-Investor und Gründer (Bild: Frank Thelen)
Frank Thelen, Tech-Investor und Gründer (Bild: Frank Thelen)
„KI ist die Schlüsseltechnologie für die nächste Dekade. Zum ersten Mal hat eine Software-Technologie das Potenzial, so stark zu werden, dass sie perspektivisch reguliert werden muss. Damit KI sich fair und sicher entwickelt, sollte Europa hier vorne mitspielen. Wir brauchen eine Reform der DSGVO. Ich möchte keine Zustände wie in China, aber bitte auch keine panische Angst vor Daten. Wir müssen einen Mittelweg finden, eine Abwägung zwischen Nutzen und Privatsphäre. Anstatt die Datenmacht der Amerikaner zu fördern, sollten wir europäische Player unterstützen.“
Julia Gundlach, Project Manager „Ethik der Algorithmen“ Bertelsmann Stiftung (Bild: Ansichtssache_Britta Schröder)
Julia Gundlach, Project Manager „Ethik der Algorithmen“ Bertelsmann Stiftung (Bild: Ansichtssache_Britta Schröder)
„Zur Stärkung der Akzeptanz von KI-Anwendungen: Ob Technologien akzeptiert werden, entscheidet sich nicht erst bei der Nutzung. Bereits in der Entwicklung sollten sich Innovationen an den Bedürfnissen der Betroffenen orientieren. Deshalb haben wir mit den AlgoRules neun Regeln für die ethische Gestaltung algorithmischer Systeme entwickelt. Partizipative Prozesse dauern zwar länger, sind bei teilhaberelevanten KI-Einsätzen aber geboten und steigern auch nachhaltig die Wirkung von Veränderungen.“ Mehr dazu: Human Centricity (bdi.eu)
Peter Liggesmeyer, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Experimentelles Software Engineering IESE in Kaiserslautern (Bild: Fraunhofer IESE)
Peter Liggesmeyer, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Experimentelles Software Engineering IESE in Kaiserslautern (Bild: Fraunhofer IESE)
„Viele wichtige Innovationen erfordern Lösungen, die einen gewissen Grad an autonomen Fähigkeiten voraussetzen. Dazu gehören Industrie 4.0, die Energiewende, die automatisierte Herstellung bestimmter patientenindividueller Medikamente oder auch autonomes Fahren. Eine nachweisbar sichere KI bildet eine unverzichtbare Basis, um diese autonomen Fähigkeiten zu realisieren und damit die davon abhängigen Innovationspotentiale zu erschließen.“
Sebastian Bluhm, CEO Plan D (Bild: Plan D)
Sebastian Bluhm, CEO Plan D (Bild: Plan D)
„Um die Akzeptanz von KI-Anwendungen noch mehr zu stärken, sind Transparenz und Realismus entscheidend. Es muss klar sein, was der Einsatz von KI beispielsweise am Arbeitsplatz bedeutet und welche Implikationen das mit sich bringt. Gleichzeitig bringt es weder etwas, künstliche Intelligenz als Lösung für jedes Problem noch als Gefahr zu stilisieren. Sie ist eine Technologie – und ihr Zweck und Wert hängt davon ab, wie Menschen sie entwickeln und nutzen.“
Sebastian Möller, Leiter des Forschungsbereichs Sprachtechnologie am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, DFKI (Bild: DFKI)
Sebastian Möller, Leiter des Forschungsbereichs Sprachtechnologie am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, DFKI (Bild: DFKI)
„KI spielt als Schlüsseltechnologie eine große Rolle in privaten und beruflichen Lebenswelten und wird die Zukunft maßgeblich beeinflussen.
Am DFKI in Berlin bringen wir mit Projekten wie dem KI-Campus der Öffentlichkeit KI-Wissen näher, steigern Interesse und gesellschaftliche Akzeptanz von KI-Anwendungen.
Zunehmend beschäftigen wir uns mit Infrastrukturen für öffentliche Daten. Mit Hilfe von KI-Methoden wollen wir Dienste für eine offene Gesellschaft entwickeln. Anwendungsbereiche sind Smart Cities, Bildung, Gesundheit oder Open Citizen Science.“
Wolfgang Wahlster, Gründungsdirektor und Chief Executive Advisor des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz, DFKI (Bild: Jim Rakete)
Wolfgang Wahlster, Gründungsdirektor und Chief Executive Advisor des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz, DFKI (Bild: Jim Rakete)
„Eines der Anwendungsgebiete der KI, auf dem Deutschland gegenüber den USA und China noch einen Vorsprung von ca. 2 Jahren hat, ist die industrielle KI im Kontext von Industrie 4.0, der vierten industriellen Revolution, die ich zusammen mit den Kollegen Henning Kagermann und Wolf-Dieter Lukas vor 10 Jahren initiiert habe. Industrie 4.0 wurde weltweit zum Exportschlager und hat Deutschland als Leitanbieter zum innovativsten Fabrikausstatter der Welt gemacht. Nachdem die erste Welle der Digitalisierung der Produktion jetzt abgeschlossen ist und die meisten Fabrikdaten digital vorliegen, startet in der zweiten Halbzeit von Industrie 4.0 die nächste Welle der Digitalisierung, welche die maschinelle Analyse und die darauf aufbauende Aktionsplanung mithilfe der industriellen KI zum Ziel hat.
Es gilt also weiterhin „Stärken zu stärken“ und damit die Marke „Made in Germany“ mit sehr hochwertigen physischen Produkten zu verknüpfen. Diese werden mithilfe von KI fehlerfrei und ressourcenschonend gefertigt, aber setzen auch eingebettete KI für innovative Produktfunktionen und neue Dienste für den Kunden ein. In diesem B2B-Bereich konnte Deutschland bislang den Hyperscalern aus den USA und China Paroli bieten, da wir in Bezug auf technikwissenschaftliches Domänenwissen und das Know-How erstklassiger Fachkräfte im Produktionsumfeld immer noch einen Vorsprung haben.
Im industriellen B2B-Umfeld gibt es etliche Anforderungen an KI-Technologien, die im B2C-Umfeld nicht oder weniger relevant sind:
 
  1. Mensch-zentrierte Interaktionsformen, da der Mensch in der Produktion weiterhin im Mittelpunkt steht
  2. Realzeitfähigkeit, um bei der Prozesssteuerung zu garantierende Latenzzeiten nicht zu überschreiten
  3. Ressourcenschonung, um Klimaschutzziele zu erreichen und Abfälle zu reduzieren
  4. Zertifizierung, um die Betriebssicherheit zu gewährleisten und Haftungsrisiken zu minimieren
  5. Standardisierung, um die Interoperabilität bei Normenkonformität weltweit zu garantieren
  6. Vertrauenswürdigkeit, um die Akzeptanz bei den Verantwortungsträgern zu gewährleisten
  7. Adaptivität, um die Wandlungsfähigkeit und die Migration von Bestandsanlagen zu unterstützen
  8. Resilienz, um auch bei temporären Störungen von Anlageteilen und Lieferketten weiter zu arbeiten
  9. Virtualisierbarkeit, um Cloud- und Edge-Computing sowie verteilte Datenplattformen zu ermöglichen
  10. Souveränität, um bei Zugangsengpässen wegen weltpolitischer Konflikte Ersatzlösungen zu haben
Wichtig für den Erfolg der industriellen KI in Deutschland ist, dass der in den USA und Europa in Fachkreisen bereits abklingende Hype rund um das Deep Learning aus Massendaten abgelöst wird durch eine pragmatische Sicht auf die nächste Welle des hybriden Wissenserwerbs auf der Basis der kombinierten Nutzung von symbolischen und numerischen neuronalen Verfahren. Nur so können gelernte Scheinkorrelationen durch symbolisch gespeichertes Kausalwissen als Unsinn zurückgewiesen und schwerwiegende Anwendungsfehler vermieden werden. Trotz aller bahnbrechenden Erfolge des datengetriebenen Lernens mit neuronalen Architekturen haben sich u.a. die mangelnde Robustheit und numerische Instabilität der Verfahren neben der Intransparenz und Erklärungsschwäche als Nachteile erwiesen, die durch die Kombination mit modellgetriebenen Ansätzen, wie sie durch digitale Zwillinge in Industrie 4.0 möglich werden, vermeidbar sind.
Zusammenfassend kann man festhalten, dass die industrielle KI die Speerspitze der nächsten Stufe von Industrie 4.0 bildet und in den nächsten 10 Jahren eine wichtige Säule zur Zukunft der Wertschöpfung in Deutschland bilden wird.“
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Das KI-Briefing.de erscheint bei FutureStory.de und wird herausgegeben von Nikolaus Röttger, der bereits als Chefredakteur von WIRED Germany, Gründerszene und BusinessPunk die Tech- und Startup-Szene begleitet hat und Steve Haak, der als Redakteur für verschiedene Tech-Magazine gearbeitet hat.

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