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Klingbeils KI-Plan; Big-Data-Probleme

Revue
 
 

KI-Briefing.de

9. November · Ausgabe #7 · Im Browser ansehen
Bleiben Sie schlau: Hier ist Ihr wöchentliches KI-Briefing.de mit News und Analysen zum Thema Künstliche Intelligenz

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
so, jetzt alle bitte schön fröhlich gucken und optimistisch sein. Das wird schon alles gut mit uns und der KI. Weniger Sorge, mehr Zuversicht, lasst uns die Chancen von KI entdecken! Den Fortschritt umarmen, nennt es SPD-General Lars Klingbeil diese Woche im Tagesspiegel in seinem Fünf-Punkte-Plan für KI. “Schluss mit der Angst” fordert er. Als ob man die so einfach abstellen kann, indem man KI-Happiness verordnet…
Bitte lächeln: KI-Happiness, juhu.
… ach, bitte entschuldigen Sie, jetzt habe ich hier doch so ironisch anfangen zu schreiben, obwohl ich das gar nicht vorhatte. Ich bin nur gerade ermüdet von der Bundesregierung, die sich anstatt mit KI und Digitalisierung vor allem mit einem zu beschäftigen scheint: sich selbst. Wer folgt auf Merkel? Wo ist Nahles? Ist Seehofer noch im Amt?
Nun, Klingbeil war beim Thema KI diese Woche da und hat ja auch wirklich ein paar richtige Sachen geschrieben: Akzeptanz für KI schaffen, die richtige Rahmenbedingungen setzen und Milliarden im Zuge der KI-Strategie investieren, die die Bundesregierung gerade erarbeitet: „Wir müssen den Aufbau von Forschungsclustern, den erheblichen Ausbau von Lehrstühlen an den Universitäten sowie Spezialprogramme für Startups im Bereich der KI fördern.“
Dazu setzt Klingbeil auf eine neue Datenpolitik. Er verteidigt die Daten-für-alle-Idee seiner Parteichefin: Andrea Nahles hatte vorgeschlagen, Internetkonzerne wie Facebook und Google dazu zu verpflichten ab einer bestimmten Größe und Zeit anonymisierte und repräsentative Daten der Nutzer zur Verfügung zu stellen, damit auch andere mit diesen Daten arbeiten können.
Ich hätte da noch einen anderen Vorschlag: Hiesige Unternehmen könnten ja mal anfangen, bei der Nutzung eigener Daten besser zu werden. Das wäre doch ein Start! Denn bisher hat in Deutschland, Österreich und der Schweiz fast jedes zweite Unternehmen ein Big-Data-Problem, so eine neue Studie: Die Firmen hätten Schwierigkeiten, aus Daten Wissen und Erkenntnisse abzuleiten und einen Mehrwert durch Information zu schaffen.
Hier ist also dringend Nachholbedarf! Oder, um dem Appell zu mehr Zuversicht zu folgen: Das klappt schon. Ganz sicher. Fangt einfach mal an. Mit einer großen Portion KI-Happiness, bitte.
Ich wünsche Ihnen ein fröhliches Wochenende, bleiben Sie schlau, herzlich, Ihr
Ihr Nikolaus Röttger´
PS: Dies hier ist bereits das siebte KI-Briefing.de; die allererste Ausgabe unseres Newsletters schickten wir vor wenigen Wochen an fünf Abonnenten (beziehungsweise eigentlich an zwei, die anderen drei registrierten Emailadressen waren von meinem KI-Briefing.de-Kollegen Steve Haak und mir).
Diese Woche hatten wir erstmals mehr als 500 Subscriber, die heutige Ausgabe geht bereits an 542 Empfänger (und zusätzlich an unsere drei Emailadressen).
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KI in Zahlen
2,1 Millionen - mit so vielen neuen Jobs bis 2025 durch den digitalen Wandel rechnet das Bundesarbeitsministerium. Unklar sei jedoch, ob die Arbeitsplatzverlierer den neuen Anforderungen gewachsen sind und den Umstieg schafften, schreibt die FAZ.
Politik
UN-Strategie: Die UN wollen die Künstliche Intelligenz in eine „treibende Kraft für das Gute“ verwandeln. Das sagte UN-Generalsekretär Antonio Guterres zum Auftakt der weltweit größten Internetkonferenz “Web Summit” in Lissabon. Die digitale Entwicklung schaffe neue Berufe und andere fielen weg. Mehr von Guterres’ Rede gibt es auf der offiziellen Seite der UNO.
Summit: Audi engagiert sich bei AI4People, einem Forum für ethischen Umgang mit Künstlicher Intelligenz. „Wir brauchen einen europäischen Weg im Umgang mit Künstlicher Intelligenz, der Innovationskraft mit unseren Werten verbindet“, so Audis Chief Digital Officer Roland Villinger. Auf dem „Towards a Good AI Society Summit“ im EU-Parlament in Brüssel stellte das Forum einen 20-Punkte-Plan für eine verantwortungsvolle KI-Gesellschaft vor. Mehr dazu gibt es auf den Seiten des Autoherstellers.
Überwachung 1: China will Künstliche Intelligenzen einsetzen, um “die Effektivität der Kontrolle der Bürger deutlich [zu] erhöhen”. Das sagte der Paderborner Medienwissenschaftler Jörg Müller-Lietzkow in einer öffentlichen Sitzung der Enquete-Kommission des Bundestages für KI. Lietzkow sehe China schnurstracks auf dem Weg zur Weltmacht im Bereich Künstliche Intelligenz (KI), schreibt Heise in seinem Artikel.
Überwachung 2: Passend dazu eine Meldung bei Spiegel Online. Das chinesische Start-up Watrix will mit Hilfe von KI Personen an ihrer Körperform und ihrem Gang erkennen können. Und das aus jeder Richtung und aus bis zu 50 Metern Entfernung.
Startups
KI-Baukasten: Das britische Startup Engineer.ai hat 29,5 Millionen US-Dollar in einer Finanzierungsrunde eingenommen. Die Firma stellt eine auf KI basierende Software her, die andere Unternehmen beim Erstellen von Anwendungen ohne Programmierkenntnisse unterstützt. Zu den Kunden des Startups zählten die BBC, Virgin Group und San Francisco Giants, schreibt Techcrunch.
Anti-Betrugssoftware: 14 Millionen US-Dollar hat das deutsch-israelische Startup Fraugster während einer Finanzierungsrunde eingenommen. Damit wolle das Unternehmen mit Sitz in Berlin neue Märkte in den USA, Asien und Europa erschließen, berichtet Gründerszene in seinem Artikel. Fraugster hat eine KI entwickelt, die innerhalb von Millisekunden betrügerische Geldtransaktionen erkennen könne.
Wirtschaft
Listing: Künstliche Intelligenz ist kein Allheilmittel, aber es helfe uns beim Sparen von Energie, schreiben die Kollegen von WIRED UK. So könnten intelligente Energieprognosen den Energieverbrauch senken. Mehr dazu im Artikel “Acht Dinge, die ihr über die Zukunft der Energie wissen müsst”.
KI-Marketing: Doch nicht nur beim Thema Energie kann eine KI etwas bewirken, auch in der Werbung. “KI im Marketing sorgt dafür, dass ein Unternehmen versteht, wie es Werbung ausliefern muss, damit sie möglichst viel bewirkt, und vermittelt dem Kunden eine gute Customer-Experience.” Das schreibt t3n-Redakteur Tobias Weidemann in seinem Artikel. Noch fehle es in den Unternehmen aber an Mitarbeitern, die passende Anwendungen entwickeln können.
Meinung
Defizite: Die Herausforderung, menschliche Intelligenz künstlich zu erschaffen, wird nach wie vor stark unterschätzt. Das schreibt Melanie Mitchell in einem Meinungsstück für die New York Times. Mitchell ist Professorin für Informatik an der Portland State University. Der Mangel an einem menschenähnlichem Verständnis für Maschinen wird für sie durch die jüngsten Probleme verdeutlicht, die in den Grundlagen der modernen KI aufgetreten sind. Welche Probleme das sind? Die Antworten gibt es in diesem Artikel.
Sputnik-Moment: Und noch ein lesenswerter Kommentar. Dieser hier behandelt das KI-Wettrüsten zwischen den USA und China. “Chinas Vorstoß in Sachen KI sollte ein Sputnik-Moment für die USA sein”, schreibt David Ignatius in der Washington Post. Aber das Gegenteil sei der Fall. Die USA hätten keine Strategie, wie sie ihre Pläne umsetzen könnten, Chinas Technologievorsprung zu verringern.
Medizin
Demenz: Künstliche Intelligenz könnte bei der Früherkennung von Alzheimer helfen. Forscher der kalifornischen Berkeley-Universität haben eine KI darauf trainiert, Vorzeichen der Erkrankung anhand von Hirnscans zu erkennen - mit einer Trefferquote von 100 Prozent. Mehr dazu im Wissenschaftsmagazin Scinexx.
Mitarbeit: Steve Haak
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