Profil anzeigen

KI-Briefing.de, Nr 6: "Achtung, Überwachung!"

Revue
 
 

KI-Briefing.de

2. November · Ausgabe #6 · Im Browser ansehen
Bleiben Sie schlau: Hier ist Ihr wöchentliches KI-Briefing.de mit News und Analysen zum Thema Künstliche Intelligenz

Liebe Passagiere, ...
… wer ohne Ticket reist, sich nicht benimmt oder in der Öffentlichkeit raucht, wird entsprechend der Regeln bestraft und das Verhalten wird im persönlichen Kredit-Informations-System eingetragen - dieser Satz samt Anrede ist nicht von mir, er stammt so ähnlich aus einem Video, das der britische Journalist James O'Malley aufgenommen und vor wenigen Tagen getwittert hat. Er war mit dem Zug zwischen Peking und Shanghai unterwegs, als eine automatisierte Durchsage die Passagiere ermahnte: Wer sich schlecht benimmt, wird mit einem Eintrag ins Klassenbuch bestraft.
James O'Malley
Here's a dystopian vision of the future: A real announcement I recorded on the Beijing-Shanghai bullet train. (I've subtitled it so you can watch in silence.) https://t.co/ZoRWtdcSMy
8:34 AM - 29 Oct 2018
Dieses Klassenbuch in China ist natürlich digital. Ich vermute, Sie haben von den Plänen des chinesischen Social-Scoring-Systems schon gelesen und kennen die Beispiele: Wer bei Rot über die Ampel geht, von einer Überwachungskamera gefilmt und einer Gesichtserkennungssoftware erkannt wird, bekommt, zack, einen Punktabzug, Downgrade, langsamerer Internetanschluss, weniger gute Schulen und Unis für die Kinder oder gar keine. Wer sich sehr gut benimmt, bekommt dafür Vorteile, bei Behörden schneller Termine, und so weiter.
Wer jetzt denkt, ach, China, das ist weit weg, der sei kurz daran erinnert, dass wir zum einen in der deutschen Geschichte selbst schon Phasen hatten, in denen man wegen politischer Ansichten zum Beispiel nicht studieren durfte. Und zum zweiten: Gesichtserkennungssoftware im öffentlichen Raum wird von Behörden längst auch hierzulande ausprobiert, wie etwa bei dem einjährigen Test am Bahnhof Berlin Südkreuz. Die Debatten um diesen Versuch verdeutlichen den schmalen Grad, auf dem wir uns gesellschaftlich bewegen: Die einen sehen zu Recht eine Gefahr, dass diese Technologie nicht nur die Privatsphäre bedroht, sondern auch zur Überwachung genutzt werden kann. Die anderen erhoffen sich durch solche Technologien mehr Sicherheit (ein von der EU-finanziertes Forschungsprojekt entwickelt gerade ein automatisiertes System zur Grenzkontrolle, das zum einen biometrische Daten sammelt, zum anderen mithilfe einer KI als Lügendetektor arbeitet, der Einreisende automatisch befragt).
Ich hoffe, wir bleiben hierzulande schlau und bauen nicht aus Versehen oder absichtlich auch eine Social-Credit-Maschine, ein automatisiertes System, das die Menschen per Algorithmus in unterschiedliche Schubladen steckt. Und zum Glück gibt es diese Woche auch weniger dystopische KI-Nachrichten, die wir für Sie zusammengetragen haben.
Einen erfolgreichen Freitag und ein gutes Wochenende, Ihr
Nikolaus Röttger
KI in Zahlen
11 Minuten und 38 Sekunden: So lange hat es gedauert, bis die Eintrittskarten für die diesjährige KI-Konferenz NIPS in Montreal ausverkauft waren. Mangelndes Interesse an der Konferenz war und ist auch nicht das Problem der Veranstalter. Dafür gibt es Anschuldigungen wegen sexueller Belästigung während der letztjährigen Konferenz und eine heftige Debatte um den Namen der Veranstaltung. Die Kollegen von WIRED.com berichten darüber.
Wissenschaft
Robotik: München hat jetzt eine Schule für Roboter. Die Munich School of Robotics and Machine Intelligence (MSRM) will mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz Roboter flexibler und cleverer machen. Kooperationspartner ist Vodafone. Die FAZ berichtet über die Roboterschule.
Kommunikation: “Noch sind Chatbots ziemlich dumm, aber das soll sich ändern”, schreibt WIRED Germany in einem Artikel. Die Autorin des Beitrags hat den Chatbot Summit in Berlin besucht und dort erfahren, dass die Möglichkeiten von Chatbots für Unternehmen aus sämtlichen Branchen grenzenlos scheinen. Der momentane Entwicklungsstand sei nur der Anfang, schreibt sie.
Forschung: Google will seine KI-Entwicklung schneller als bisher vorantreiben. Dafür startet das Unternehmen seine “Google AI Impact Challenge”. Entwickler, die zur Lösung von KI-Problemen beitragen, erhalten Zuschüsse für ihre Projekte. Dafür habe Google 25 Millionen US-Dollar bereitgestellt, berichtet Techspot.
Startups
Kostenüberwachung: Das Startup AppZen hat sich durch eine Finanzierungsrunde 35 Millionen US-Dollar geholt. Die Firma erfasst und analysiert Ausgaben von Mitarbeitern und findet so heraus, ob jemand gegen die Unternehmensrichtlinien verstößt und Ausgabenbetrug begeht. Mehr zu AppZen und seiner Firmengeschichte gibt es bei Techcrunch.
Identifikation: Zwei Hamburger Entwickler haben eine KI entwickelt, mit der das Video-Ident-Verfahren erleichtert wird. Das Startup der beiden Unternehmer heißt Nect. Holtzbrinck Ventures habe eine siebenstellige Summe in Nect investiert, schreibt das Handelsblatt. Die Technologie könne nicht nur Gesichter erkennen, sondern auch Lippen lesen.
Wirtschaft
Siemensstadt 2.0: Der von Siemens im Juli vorgestellte Innovationscampus wird in Berlin entstehen. 600 Millionen Euro will der Konzern laut eigener Aussage für den Ausbau des Forschungszentrums investieren. Auf dem Campus sollen unter anderem die Forschungsbereiche Elektromobilität, Industrie 4.0, IoT und KI angesiedelt werden. Das Handelsblatt geht der Frage nach, warum Siemens sich gerade für Berlin entschieden hat.
KI-Styleguide: Bei Zalando gibt künftig eine Künstliche Intelligenz Modetipps. Ein Algorithmus erstellt den Kunden des Online-Versandhändlers Outfits, die zu ihrer Einkaufshistorie passen. Die KI habe ihren Modegeschmack bereits unter Beweis gestellt, schreibt t3n
Mitarbeit: Steve Haak
Hat Dir diese Ausgabe gefallen?
Wenn Du keine weiteren Ausgaben mehr erhalten möchtest, kannst Du den Newsletter hier abbestellen.
Wenn Dir dieser Newsletter weitergeleitet wurde und er Dir gefällt, kannst Du ihn hier abonnieren.
Powered by Revue