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Ausgabe #12: Neuer AI-Index und KI-Expertenrat

Revue
 
 

KI-Briefing.de

14. Dezember · Ausgabe #12 · Im Browser ansehen
Bleiben Sie schlau: Hier ist Ihr wöchentliches KI-Briefing.de mit News und Analysen zum Thema Künstliche Intelligenz

Hallo, liebe Leserinnen und Leser.
Hat Europa gegenüber den USA und China überhaupt noch eine Chance, bei Künstlicher Intelligenz mitzuhalten? Nun, es gibt eine gute Nachricht!
Der so genannte AI Index - ein Projekt, das im Rahmen der „One Hundred Year Study on Artificial Intelligence“ an der amerikanischen Stanford University entstanden ist - hat ausgewertet, wo die meisten wissenschaftlichen KI-Paper veröffentlich werden. Die Antwort ist eindeutig und angesichts der Debatte, ob China oder die USA das Rennen machen, doch überraschend. Denn es ist: Europa. Aber China holt auf. Die Zahl der Veröffentlichungen stieg dort im vergangenen Jahr um 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In den USA um 13 Prozent, in Europa um acht Prozent. (Hier finden Sie das PDF der Studie).
Die Studienmacher haben für ihre Analyse die Zitatdatenbank Scopus des Wissenschaftsverlags Elsevier ausgewertet. Das heißt, in die Ergebnisse sind all jene Forschungsergebnisse nicht eingeflossen, die Technologie-Konzerne lieber für sich behalten und nicht als wissenschaftliche Paper veröffentlichen. Und die AI-Forschung wird eben auch stark von den amerikanischen und chinesischen Tech-Konzernen vorangetrieben.
Die Studie ist zwar ein Beleg für die wissenschaftliche KI-Exzellenz, die in Europa (noch) vorhanden ist. Doch es reicht eben manchmal nicht, einfach nur schlau zu sein oder zu bleiben. Wir müssen es in Deutschland und Europa verstärkt schaffen, die KI-Expertise in konkrete Anwendungen und Geschäftsmodelle umzuwandeln.
Ich wünsche Ihnen einen guten Wochenausklang, herzliche Grüße,
Ihr Nikolaus Röttger
PS: Wie Sie vielleicht gelesen haben, wird WIRED.de leider den redaktionellen Betrieb einstellen. Ich finde das natürlich sehr schade, nachdem ich die Marke in Deutschland vier Jahre als Chefredakteur begleiten durfte. Darum erlauben Sie mir zwei kurze Hinweise: Zum einen möchte mich an dieser Stelle herzlich bedanken bei allen, die sich vor mir, mit mir und nach mir in Redaktion, Verlag und auch sonst für WIRED eingesetzt haben. Zum zweiten: Das aktuelle WIRED.de-Team verabschiedet sich mit einem Special: In WIRED2029 blicken Redaktion und Gastautoren zehn Jahre in die Zukunft. Bis nächste Woche werden dort Geschichten veröffentlicht.
KI in Zahlen
100.000: So viele Experimente führt die US-Firma Recursion Pharmaceuticals wöchentlich mit menschlichen Zellen durch. Das Unternehmen will den Prozess der Arzneimittelentwicklung mit Hilfe von Machine Learning beschleunigen. WIRED.de hat den Chef des Unternehmens getroffen und “mit ihm über teure Fehler in der Forschung gesprochen und darüber, wie Big Data, Cloud-Computing und maschinelles Lernen sie künftig abmildern könnten”. Das Interview finden Sie hier.
Politik
Skepsis: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich während einer China-Reise über Innovationen in der Digitalisierung informiert. Unter dem Titel “Steinmeiers unheimliche Begegnung mit Chinas Digitalprofis” berichtet SPON über die Reise des Bundespräsidenten. Steinmeier sehe einige der derzeitigen digitalen Entwicklungen skeptisch, schreibt das Online-Magazin. Ihn interessierten Fragen wie “Machen wir uns überflüssig? Oder wird das Leben durch künstliche Intelligenz angenehmer?” Mehr über die Reise Steinmeiers in das Innovationsland China gibt es hier.
Gesichtserkennung: Das New Yorker Forschungsinstitut AI Now warnt in seinem Jahresbericht vor den Folgen von Gesichtserkennung, wenn sie nicht streng reguliert wird. Das schreibt Netzpolitik-Autorin Chris Köver in einem Beitrag. “Staaten seien in der Pflicht, enge Grenzen für den Einsatz zu ziehen”, stehe in dem Bericht von AI Now. Den Report des Instituts können Sie hier als PDF herunterladen.
Wirtschaft
Experten-Rat: Microsoft hat in Deutschland einen Expertenrat für Künstliche Intelligenz einberufen. Am Donnerstag haben sich die Mitglieder das erste Mal getroffen. Das Gremium will den KI-Standort Deutschland fördern, aber auch „den Rahmen für eine humane Gesellschaft entwickeln“, wie der ehemalige Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio sagt. Er gehört zu den Mitgliedern des Expertenrats, genauso wie zum Beispiel Vertreterinnen und Vertreter aus dem Arbeitsministerium, dem Deutschen Städte- und Gemeindebund und aus Unternehmen wie BASF, Telekom, Porsche, Otto, Haufe oder Zeiss. Eine Übersicht gibt es in der Pressemitteilung von Microsoft.
Google-Chef: Kritische Bedenken gegenüber KI-Anwendungen sind legitim. Das sagte Google-Chef Sundar Pichai diese Woche der Washington Post. IT-Unternehmen sollten solche Technologien verantwortungsbewusst verwenden. KI-Werkzeuge bildeten die Grundlage für Innovationen wie autonome Fahrzeuge und Algorithmen zur Erkennung von Krankheiten, sagte Pichai. Das zwinge Unternehmen dazu, ethische Richtlinien zu entwickeln und darüber nachzudenken, dass die Technologie missbraucht werden könne. In dieser Woche musste sich Pichai vor dem US-Kongress verantworten. Der Internetkonzern sei “ins Visier der Gesetzgeber geraten, die ihm vorwerfen, Hassrede zu dulden, Nutzerdaten zu horten und Monopolmacht im Werbemarkt angehäuft zu haben”, schreibt dazu die NZZ.
KI-Anwalt: Eine Künstliche Intelligenz hat in einer Studie Verträge schneller und genauer geprüft als Juristen. Die Aufgabe sei gewesen, die Risiken in Geheimhaltungsvereinbarungen (NDAs) zu prüfen, schreibt das World Economic Forum. Die KI habe ein Genauigkeitslevel von 94 Prozent erreicht, während die Anwälte nur 85 Prozent erreichten. Die Gruppe der Juristen habe unter anderem aus Rechtsanwälten von Goldman Sachs, Cisco und Alston & Bird bestanden. Hier gibt es die komplette Zusammenfassung der Studie.
Gesellschaft
Überwachung: Bei einem Konzert der Sängerin Taylor Swift wurde heimlich Technik zur Gesichtserkennung eingesetzt, um nach Stalkern zu suchen. Das berichtet unter anderem Heise. Das US-Magazin Rolling Stone habe dazu die Aussage eines Security-Experten, „der auf der Veranstaltung eine Vorführung des Systems begutachtete.“ Die Aufnahmen seien mit einer Datenbank abgeglichen wurden, in der „Hunderte bekannte Stalker der Sängerin“ erfasst waren.
KI-Lehrbücher: Ist das Kindergartenalter zu früh, um Kids an die KI-Ausbildung heranzuführen? Darüber streiten die Chinesen derzeit. Der Grund: Ein Verlag hat laut einem Medium.com-Beitrag von Synced eine KI-Lehrbuchserie veröffentlicht, die sich an chinesische Schüler vom Kindergarten bis zum Gymnasium richtet. Unter anderem arbeiten Google und die chinesische Akademie für Wissenschaften an dem Lehrmaterial mit.
Wissenschaft
Medizin: Eine KI könnte bei der Bestimmung von Krebszellen helfen. Laut des Wissenschaftsdienstes EurekAlert hat ein Team der Universität Osaka ein neuronales Netzwerk entwickelt, das zur Unterscheidung von Krebszellen verwendet werden kann. Das System scanne Bilder der Zellen, die mit einem Mikroskop aufgenommen wurden. Bei der Erkennung von Zellen erreiche die KI eine höhere Genauigkeit als das menschliche Urteilsvermögen. Die Erkennung der Zelltypen könne künftig nützlich sein, eine genaue Behandlung der jeweiligen Krebsart auszuwählen.
Mitarbeit: Steve Haak
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