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Ausgabe #10: Schneller werden.

Revue
 
 

KI-Briefing.de

30. November · Ausgabe #10 · Im Browser ansehen
Bleiben Sie schlau: Hier ist Ihr wöchentliches KI-Briefing.de mit News und Analysen zum Thema Künstliche Intelligenz

Hallo zum 10. KI-Briefing.de!
In China wird an einer hochtechnologischen, sehr befremdlichen Zukunft gebaut. Sie haben sicherlich die Meldungen über genmanipulierte Babys diese Woche gelesen; Sie kennen das Scoring-System, mit dessen Hilfe der Staat Menschen kategorisiert. Wer sich an die Regeln hält, bekommt Pluspunkte; wer nicht, bekommt Punkte abgezogen, darf vielleicht nicht reisen, studieren oder in eine größere Wohnung ziehen. Gerade erst wurde eine chinesische Geschäftsfrau zu Unrecht von einer Gesichtserkennungssoftware verdächtigt, bei Rot über die Ampel gegangen zu sein, wie Sie in den Meldungen unten lesen können.
Schlecht bezahlte Arbeitskräfte helfen bei der Datenerhebung (siehe unten), die Investitionen in KI sind massiv, fast 90 Prozent aller Unternehmen beschäftigen sich in China mit Künstlicher Intelligenz. In Deutschland sind es nur 49 Prozent, in den USA 51 Prozent, wenn man neben den großen Tech-Unternehmen auch andere Firmen mit einrechnet. Das hat eine Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) und deren Tochterunternehmen BCG Gamma ergeben. Die Berater haben 2.700 Manager aus Deutschland, China, Frankreich, Japan, Österreich, der Schweiz und den USA zu den KI-Strategien ihrer Unternehmen befragt. Das Ergebnis: In Deutschland nutzt erst ein Fünftel aller befragten Firmen konkrete KI-Applikationen, rund ein Drittel entwickelt sie gerade erst. Vor allem bei Finanzdienstleistern und im Bereich Konsumgüter/Handel besteht Nachholbedarf.
Noch sei das Rennen um KI aber offen, lautet der positive Dreh der BCG-Studie, der Unterschied sei zwischen den USA, Frankreich, Deutschland noch gering. Der Subtext ist trotzdem deutlich: Schaut nach China statt dauernd in die USA! Und wir müssen uns hierzulande sputen, die Innovationszyklen der befragten deutschen Unternehmen sind zu 49 Prozent langsamer als die der chinesischen Firmen.
Es heißt also, schneller werden und mitmachen. Damit hierzulande an einer Zukunft gearbeitet wird, die nicht so befremdlich ist.
Bleiben Sie schlau, viele Grüße,
Ihr Nikolaus Röttger
KI in Zahlen
20 Milliarden Euro: So viel Geld will die EU zusammen mit den Regierungen und der Wirtschaft jährlich für die Entwicklung und den Einsatz von KI ausgeben. Das schreibt das Handelsblatt und beruft sich auf einen Aktionsplan, den die EU-Kommission mit den Regierungen der einzelnen Länder abgestimmt hat. Kommende Woche soll das Papier vorgestellt werden.
Gesellschaft
KI-Mythen: Einer der besten Texte dieser Woche zu KI: “Genauso wie die Digitalisierung versucht, die Welt der Software zugänglich zu machen, muss jetzt die Sozialisierung des Digitalen vorangetrieben werden.” Das schreibt der Sozialtheoretiker und Informatiker Jürgen Geuter aka tante in einem Gastbeitrag für Zeit Online. In seinem Text “Nein, Ethik kann man nicht programmieren” räumt er mit sechs KI-Irrtümern auf.
Zukunft: Artificial general intelligence (AGI) nennen Forscher eine KI, die so schlau ist wie der Mensch. In seinem neuen Buch “Architects of Intelligence” befragt der Autor Martin Ford prominente KI-Expertinnen und Experten, wann die Wahrscheinlichkeit mindestens 50 Prozent beträgt, eine AGI zu entwickeln. Die Antworten: Irgendwann zwischen den Jahren 2029 und 2200. Mehr dazu hat The Verge aufgeschrieben.
Fehlalarm: In China hat eine KI-gestützte Gesichtserkennung einen Bus mit einer Frau verwechselt. Laut FAZ identifiziert das System Fußgänger, die bei Rot über die Straße gehen. Die Gesichtserkennung in der ostchinesischen Stadt Ningbo habe angeschlagen, weil sich auf dem Fahrzeug das Foto einer bekannten chinesischen Geschäftsfrau befunden habe. Mittlerweile soll es ein Update gegeben haben, um die Falsch-Erkennungsrate des Systems zu reduzieren.
Wirtschaft
Luftfahrt: Rolls-Royce baut an seinem Standort bei Berlin ein Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz. Das Zentrum werde mit dem Hasso-Plattner-Institut in Potsdam zusammenarbeiten, schreibt unter anderem Gründerszene in einem Artikel. Der Triebwerkshersteller Rolls-Royce wolle KI zur Echtzeit-Analyse von Triebwerksdaten nutzen.
Fahrdienstleister: Der weltweit größte Uber-Konkurrent heißt Didi Chuxing und hat 550 Millionen registrierte Kunden; 7.000 Mitarbeiter arbeiten für das Unternehmen. Wie die Firma mit Hilfe von KI weltweit führender Anbieter für Transport- und Automobiltechnik werden will, berichtet Forbes. Derzeit suche Didi Chuxing “brillante, innovative Köpfe, die gemeinsam mit uns einige der schwierigsten Probleme der Welt lösen”.
Spieleklassiker: Konkurrent Uber bringt derweil einer KI das Videospielen bei. Mit Hilfe von Retro-Games wollen Forscher des Unternehmens neue Ansätze zur Problemlösung und Wegfindung von KI ausprobieren, schreibt unter anderem Golem.de und beruft sich auf einen Blogeintrag der Entwickler. Die Erkenntnisse könnten unter anderem in der Robotik weiterhelfen.
Startups
Modeberatung: Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking unterstützt das Potsdamer KI-Mode-Startup Inspora. Das berichtet unter anderem das Handelsblatt. Wiedeking habe mit seinem Sohn einen hohen sechsstelligen Betrag investiert. Inspora entwickelt einen Chatbot, der seinen Nutzerinnen per Facebook-Messenger Mode-Tipps gibt.
Machine Learning: Amazons KI-Kurse sind für alle verfügbar. Das schreiben die Kollegen von WIRED Germany auf ihrer Seite. Insgesamt 30 Kurse zum Selbststudium mit mehr als 45 Stunden an Material mit Übungen, Videos und Versuchen habe Amazon zusammengestellt. Hier geht es zu den Übungen.
Medizin
KI-Ärzte: Forscher haben einer KI in weniger als zwei Stunden beigebracht, Krebszellen zu erkennen. Laut WIRED Germany hat ein Medizin-Startup Algorithmen darauf trainiert, möglichst zuverlässige Krebsdiagnosen zu erstellen. Ärzte benötigen für das Wissen mehrere Jahre an Studium und Fachlektüre.
Longread
Kategorisieren: In chinesischen Fabriken kennzeichnen Mitarbeiter täglich Millionen von Bildern. Data Labeling wird das genannt und ist eine Grundvoraussetzung für maschinelles Lernen. Wie billige Arbeitskräfte Chinas KI-Pläne umsetzen, hat die New York Times in einem Artikel aufgeschrieben.
Mitarbeit: Steve Haak
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